Herkunft
Southdown gehört zu den klassischen britischen Down-Schafrassen – mehr noch: Es ist der Ursprung dieser gesamten Familie. Mit Southdown hat gewissermaßen alles begonnen. Bereits im Mittelalter gab es Aufzeichnungen über kurzstapelige, schwarzgesichtige Schafe, die in den South Downs entlang des Ärmelkanals gehalten wurden.
In den späten 1790er Jahren entwickelte sich das Southdown-Schaf zu einer der wichtigsten Rassen Englands. Diese Bedeutung hielt jedoch nicht dauerhaft an, da ausgewachsene Tiere vergleichsweise klein blieben. Durch gezielte Kreuzungen entstanden später größere und wirtschaftlich attraktivere Down-Rassen wie Shropshire, Dorset Down, Hampshire Down, Oxford Down oder Suffolk.

Auch nach Amerika wurde Southdown bereits in seiner Hochphase exportiert. Innerhalb der Rasse gibt es bis heute unterschiedliche Linien, vor allem hinsichtlich der Größe. Kleinere Tiere werden eher für die Wollproduktion gehalten, größere fast ausschließlich für Fleisch. Was jedoch alle verbindet, ist ihre ruhige, freundliche Art und die einfache Handhabung.
Die Faser selbst steht nicht für extreme Feinheit oder Glanz – und genau das macht sie für mich so interessant. Während viele automatisch zu Merino oder BFL greifen, gehe ich bewusst einen anderen Weg. Southdown ist für mich eine Faser, die nicht laut ist, sondern im Alltag überzeugt.
Eigenschaften
Wenn ich mit Southdown arbeite, dann vor allem wegen seiner inneren Werte. Die Faser bringt genau das mit, was ich mir für strapazierfähige Garne wünsche: eine ausgeprägte Kräuselung, damit eine sehr gute Rücksprungkraft und eine bemerkenswerte Robustheit. Gleichzeitig neigt sie deutlich weniger zum Filzen als viele feinere Wollsorten.
Der hohe Crimp sorgt auch dafür, dass sich viele kleine Luftpolster innerhalb der Faser bilden – ähnlich wie das Zwiebelschalenprinzip. So kann Wärme optimal gespeichert und Feuchtigkeit abtransportiert werden.

Mit einer Stapellänge von etwa 80 mm und einer Feinheit von 28–30 Micron gehört Southdown ganz klar nicht zu den weichen, feinen Fasern. Trotzdem wirkt das Garn später überraschend kompakt. Beim Verspinnen entstehen dichte Fäden mit wenig abstehenden Enden, was das typische „Kratzgefühl“ deutlich reduziert. Die Locken sind dicht, widerstandsfähig und stark gecrimpt – genau das sorgt für die Elastizität, die ich bei Sockengarnen so schätze.
Für mich liegt hier der entscheidende Unterschied: Ich arbeite mit einer Faser, die viele gewünschte Eigenschaften bereits mitbringt – statt sie im Nachhinein künstlich erzeugen zu müssen.
Beim Spinnen
Beim Verspinnen von Southdown wird mir jedes Mal bewusst, wie viel Einfluss ich als Spinnerin habe. Die Faser verhält sich anfangs etwas ungewohnt – dieses leicht „kaugummiartige“ Gefühl beim Ausziehen kennt fast jeder, der sie zum ersten Mal verarbeitet. Hat man sich daran gewöhnt, lässt sie sich sehr kontrolliert verspinnen.
Ich arbeite sie gerne sehr fein aus und gebe sowohl in den Single als auch in den Zwirn bewusst ein wenig mehr Drall als mein Gefühl mir sagt. Für Sockengarne zwirne ich meist dreifädig. So entsteht ein rundes, stabiles Garn mit hoher Belastbarkeit.
Genau hier liegt für mich der größte Vorteil: Ich brauche kein Nylon, um ein langlebiges Sockengarn zu erhalten. Die Stabilität entsteht durch die Kombination aus Faserwahl, Spinntechnik und Erfahrung.
Beim Stricken
Beim Stricken zeigt Southdown sofort seinen eigenen Charakter. Das Garn ist nicht superweich, sondern eher griffig und lebendig. Durch die hohe Elastizität wirkt es oft dicker, als es tatsächlich ist, und genau dieses Verhalten mag ich sehr. Man darf sich hier nicht täuschen lassen. Die Southdown Socks werden mit den selben Nadeln verstrickt, die du auch sonst zum Sockenstricken nehmen würdest.
Für mich ist Southdown eine überzeugende Alternative zu klassischen Sockengarnen mit Polyamidanteil. Die nötige Elastizität und Stabilität kommen hier aus der Faser selbst – nicht aus Kunststoffbeimischungen.
Gleichzeitig ist mir wichtig, das realistisch zu betrachten. Die Haltbarkeit von Socken hängt nicht allein vom Garn ab. Faktoren wie Maschendichte, Passform, Konstruktion von Ferse und Spitze sowie das Schuhwerk im Alltag spielen eine ebenso große Rolle. Selbst das beste Garn kann schneller verschleißen, wenn diese Punkte nicht zusammenpassen.
Deshalb gehört für mich auch dazu, zu experimentieren. Unterschiedliche Fasern, Mischungen und Spinnweisen verhalten sich unterschiedlich – und oft braucht es Zeit, bis man das Garn gefunden hat, das wirklich zu den eigenen Anforderungen passt.
Meine aus Southown-Garn gestrickten Socken sitzen gut, leiern nicht aus und halten viel aus. Einige Paare begleiten mich seit Jahren, werden regelmäßig gewaschen und sind immer noch in einem erstaunlich guten Zustand. Spätestens da war für mich klar: Diese Faser hat ihren festen Platz in meinem Sortiment.
Und nicht nur für Socken eignet sie sich hervorragend. Auch für Mützen, Handschuhe, Pullover oder Strickjacken, die im Alltag einiges aushalten müssen, ist Southdown eine sehr gute Wahl.

Southdown bei Frau Wöllfchen
In meinem Sortiment ist Southdown deshalb ganz bewusst vertreten – nicht als Trend, sondern aus Überzeugung.
Bei mir findest du:
- Kammzüge zum Spinnen, auch in Form von Sock Sets im Farbverlauf für zwei passende Socken/Handschuhe
- Southdown Socks Garn für alle, die die Eigenschaften nutzen möchten, ohne erst selbst spinnen zu müssen.
Mir ist wichtig zu zeigen, dass langlebige Sockengarne auch ohne Kunststoff funktionieren – wenn man die passende Faser wählt und versteht, wie man sie verarbeitet.
Fazit
Für mich ist Southdown die Antwort auf eine Frage, die ich sehr häufig höre:
Wie bekomme ich ein haltbares Sockengarn – ohne Plastik?
Diese Faser bringt vieles bereits mit, was andere erst durch Ausrüstung oder Beimischungen erreichen. Sie ist vielleicht nicht die naheliegendste Wahl, aber eine sehr durchdachte.
Wenn Du bereit bist, Dich auf eine neue Wollerfahrung einzulassen, bekommst Du ein Garn, das ehrlich, langlebig und überraschend leistungsfähig ist.
Zugrunde liegende Literatur:
Deborah Robson, Carol Ekarius; 2011; The Fleece & Fiber Sourcebook, Storey Publishing, North Adams Massachusetts


