Seiden-Hankies spinnen

  • von
Hankies in grün, violett, türkis

Heute geht es hier um Seide… Genauer um Seiden-Hankies, wie der Titel schon verrät.

Wenn wir von Seide sprechen, denken wir an weiche, glänzende Fasern, die ein absolut tolles, luxuriöses Garn ergeben. Aber nicht jede Art der Vorbereitung resultiert in einem solchen Garn. Seide kann noch viel mehr als nur Glänzen. Sie kann auch wunderbare Effekte im Garn ergeben. Nehmen wir nur einmal Silknoils und Sariseide, die gesponnenem Garn einen tollen Tweedeffekt verleihen. Mit Seiden-Hankies (auch Mawatas genannt) oder -Caps bekommt man einen unregelmäßigen Faden, dem zwar der Glanz fehlt, aber der immer noch wunderbar weich ist und vielfältig verwendet werden kann.

Seiden-Hankies sind eine spezielle Art der Faservorbereitung. Das Besondere an der Vorbereitung ist, dass mit ein bisschen zusätzlicher Arbeit schon eine Art fertiger Faden entsteht. Dieser kann noch gesponnen werden, aber er kann auch schon ungesponnen direkt zum Stricken, Häkeln und Weben genutzt werden. Gerade diese Vielfalt macht Hankies so interessant, um mit ihnen zu arbeiten.

Bevor wir aber dazu kommen, wie man so ein Hankie überhaupt verarbeiten kann, reden wir erst einmal darüber, wie Hankies hergestellt werden.

Seiden-Hankies bestehen aus Kokons der Seidenspinner, meist der Maulbeerseidenspinner.
Um Seide zu gewinnen, werden die Kokons der Seidenspinner, bevor diese schlüpfen können, in Soda und Seife gekocht, um die Klebeproteine, die sogenannten Sericine, zu entfernen. Nach dem Waschenmit klarem Wasser kann die Seide mit Hilfe einer Haspel aufgewickelt werden.

Aber nicht jeder Kokon wird zu Kammzügen, bzw Garn verarbeitet. Manche Kokons sind verformt, haben Verfärbungen oder ein Loch (wenn der Seidenspinner schon geschlüft ist). Diese werden für Hankies bzw. Caps genutzt.
Die Kokons werden nach der Behandlung mit Soda und dem darauf folgenden Auswaschen noch nass auseinander gezogen, die Überreste des Bewohners entfernt und auf einen quaratischen Rahmen (für Hankies) oder ein Drahtgestell in Form eines Us (für Caps) gezogen. So werden mehrere Kokons übereinander auf den Rahmen gezogen und trocknen gelassen. So entsteht die typische Form der Hankies, bzw. Caps. Wer sich dafür interessiert, wie der ganze Prozess aussieht, wird im Netz schnell fündig.

Die Fasern in dieser Art der Faservorbereitung sind nicht parallel zueinander. Dies erklärt den fehlenden Glanz der Fasern, der sonst für Kammzüge so typisch ist.
Ihr könnt es euch schon denken, dadurch, dass die Fasern nicht parallel sind, ist es auch schwierig sie einfach so weiter zu verarbeiten.

Bevor wir allerdings dazu kommen, wie wir mit den Hankies arbeiten ein kleiner Einschub, wie ihr eure Hände für das Verarbeiten von Seide vorbereiten könnt. Ja, richtig gelesen! Wenn ihr mit Seide arbeiten wollt, solltet ihr euch erst einmal um eure Hände kümmern.
Seidenfasern sind unglaublich fein und bleiben an jeder Hautunebenheit und in jeder Hautschuppe hängen. Aus diesem Grund, sollte man vor dem Arbeiten mit Seide, die Hände mit einem Peeling behandeln. Solch ein Peeling könnt ihr kaufen, aber auch ganz leicht selbst herstellen. Nehmt euer Lieblingsöl, sei es Olivenöl, Kokosöl, Avocadoöl… da ist eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt (ok, es sollte natürliches sein und kein Schmieröl ^^ ) und gebt so viel Zucker (man kann hier auch Salz nehmen, brennt nur ggf. etwas wenn ihr offene Stellen habt, aber ich habe auch schon Kaffeepulver genommen) und verrührt beides zusammen zu einer dicken Paste. Diese Paste nehmt ihr dann und reibt sie einige Minuten zwischen euren Händen, bis diese glatt sind. Danach mit lauwarmem Wasser abspülen und wenn ihr mögt noch mit einer Handcreme eincremen.
Die Hände nur einzucremen finde ich persönlich zu wenig, da die Hautschüppchen dann immer noch vorhanden sind.

Öl-Handpeeling: 
1 Teil Zucker 
ca. 1 Teil Öl (z.B. Olivenöl, Kokosöl, Avocadoöl...)
In einer Schüssel zu einer körnigen, nicht zu öligen Masse verrühren.
Das Peeling kann in einem dicht verschlossenen, sauberen Gefäß bis zu 6 Monate aufbewahrt werden. Aber vorsicht, wenn das Öl vorher ranzig wird, bitte entsorgen!!

So, jetzt seid ihr so weit euch euren Hankies zu widmen:

Seiden-Hankies in pinktönen

Wenn ihr Seiden-Hankies kauft, dann kauft ihr nicht nur ein Hankie,
sondern einen ganzen Stapel davon.
Diesen müsst ihr erst einmal trennen, damit ihr nur mit einem „Blatt“ davon arbeitet.

Seiden-Hankies in pinktönen, bei denen ein Blatt abgezogen wird

Ihr müsst euch also eine Stelle suchen, an der ihr ein „Blatt“ des Stapels vom Stapel trennen könnt. Von dieser Stelle aus zieht ihr dieses vorsichtig von den anderen ab.

Seiden-Hankies in pinktönen, bei denen ein Blatt abgezogen wird

Vor euch sollten also jetzt der Stapel und eine ziemlich dünne Schicht Hankie liegen.

Seiden-Hankie in pinktönen, in dem in der Mitte ein Loch ist

Ihr nehmt nun das einzelne Hankie und macht mit euren Fingern in der Mitte ein Loch.

Seiden-Hankie in pinktönen, bei dem das Loch immer weiter vergrößert wird

Jetzt zieht ihr vorsichtig das Loch immer größer, bzw. die Fasern immer weiter auseinander.

vorgeszogener Faden aus einem Hankie in pinktönen

Wenn das Band die richtige Breite hat, könnt ihr es an einer Stelle aufreißen und locker wickeln.
Jetzt könnt ihr das Hankie verspinnen, -stricken, -weben uvm.

So vorbereitet ist eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ihr könnt dieses Band einfach so verspinnen und ein etwas unregelmäßigeres Seidengarn zu erhalten. Oder versucht es einmal mit einem Corespun-Garn…

Ich hoffe euch hat der kleine Beitrag gefallen. Natürlich findet ihr Hankies zum rumprobieren in meinem Shop.
Viel Spaß beim Werkeln!